Flaschenpost Poitzatiere vom 24.08.26 - Die Schickeria des Zweifels: Wenn Ulf Poschardt zur Realitätsflucht bläst

Veröffentlicht am 24. August 2026 um 21:42

Flaschenpost Poitzatiere vom 24.08.26 - Die Schickeria des Zweifels: Wenn Ulf Poschardt zur Realitätsflucht bläst

​Es gibt Abende, an denen schaltet man den Fernseher ein, um sich berieseln zu lassen, und findet sich stattdessen in einer seltsamen Inszenierung wieder: Da sitzt er, Ulf Poschardt bei Pina Atalay mit Felix Banaszoak, und erklärt uns mit der stoischen Ruhe eines Mannes, der den Bezug zum echten Leben auf einer einsamen Insel zurückgelassen hat, dass wir die Krise im Grunde nur erträumen.

​Statistiken? Gekauft. Waldbrände? Ach, halb so wild, früher hat's schließlich auch mal gebrannt. Klimawandel? Papperlapapp, die Natur regelt das schon, Hauptsache die eigene Buchauflage stimmt und die Auflage läuft. Man reibt sich verwundert die Augen und fragt sich: In welchem Paralleluniversum eigentlich schlägt dieses mediale Herz?

​Es ist schon eine faszinierende Kunstform. Da wird mit feiner Klinge gewettert, während man sich selbst in der gemütlichsten Echokammer des Talk-Boulevards eingerichtet hat. Man teilt verbal kräftig aus, erklärt die Welt für bekloppt, die Regierenden für unfähig und das gesamte Bürgertum für wahlweise verweichlicht oder komplett irre. Nur um sich am nächsten Tag im Feuilleton oder auf den Bestsellerlisten wiederzufinden – finanziert von genau jenen Menschen, deren Realität man im Studio gerade genüsslich durch den Fleischwolf gedreht hat.

​Vielleicht sollten wir für diese Klientel einen neuen Ehrentitel erfinden: den Großmeister der alternativen Himmelsrichtung. Wenn Fakten stören, biegt man sie sich eben so lange zurecht, bis sie in den Buchdeckel passen. Bis dahin bleibt uns zum Glück noch eine Alternative: Den Fernseher einfach mal ausgeschaltet lassen, tief durchatmen. 

Man fragt sich bei solchen Auftritten ja bisweilen wirklich, ob bestimmte Köpfe im Studio insgeheim wie ein schlecht gegossener Gartenzwerg funktionieren: Sie stehen steif auf ihrem Posten, lassen keinen Regen an sich heran, schauen störrisch in eine Richtung – und wenn man sie umdreht, kommt statt frischer Luft meistens auch nur hohler Ton heraus.

​Wer so tief in der urbanen Schickeria-Blase ist, für den ist die echte Natur da draußen vermutlich auch nur eine App auf dem Smartphone. Da hilft am Ende nur noch mit einem Schmunzeln abwinken und sich daran erinnern, dass echtes Leben zum Glück da stattfindet, wo keine Kameras laufen.

Nach den aktuellen Daten des Europäischen Waldbrand-Informationssystems (EFFIS) der EU sind in diesem Jahr (Stand später August 2026) bereits über 623.470 ha an Vegetations- und Waldfläche in der Europäischen Union den Flammen zum Opfer gefallen.  

​Das ist mehr als das Doppelte des langjährigen 20-Jahres-Durchschnitts für diesen Zeitpunkt im Jahr – und zeigt ziemlich deutlich, dass die Realität draußen in der Natur eben doch ein ganz klein bisschen anders aussieht, als es sich manche Talkshow-Gäste in ihrer Berliner oder Kölner Komfortzone zurechtlügen wollen.  

​Genau für diesen Perspektivwechsel – nach dem Bildschirm-Gewitter erst mal durchpusten und den klaren Blick zurückgewinnen – passt diese Lebensweisheit wie die Faust aufs Auge:

​„Nach dem lauten Getöse im Fernsehen hilft kein Wegducken, sondern nur ein offener Blick: Erst den Staub aus den Augen wischen, tief durchatmen – und sich daran erinnern, dass die echte Welt zum Glück nach frischem Grün und nasser Erde riecht, statt nach gedruckter Papiertheorie.“

Die Flaschenpost schicken ich direkt hinaus auf die digitale See, direkt an all jene, die sich gerne mal gepflegt am absurden Theater des Fernsehalltags reiben, aber im Gegensatz zu manchen Talkshow-Gästen den Kompass auf echte Realität geeicht haben.