Flaschenpost Poitzatiere vom 28.08.26 - Der Kanzler auf der Couch

Veröffentlicht am 28. August 2026 um 07:20

Flaschenpost Poitzatiere vom 28.08.26: Der Kanzler auf der Couch

„Herr Bundeskanzler, legen Sie sich bitte hin. Atmen Sie tief ein... und aus. Und jetzt sagen Sie mir ganz in Ruhe: Was hat das kleine, böse Stethoskop Ihnen getan?“

Im Kanzleramt riecht es nach kalter Luft und leicht verkrampftem Ehrgeiz. Auf der Ledercouch sitzt Friedrich M., die Krawatte sitzt ein My zu straff, der Blick ist auf unendliche Härte eingestellt. Vor ihm sitzt – rein hypothetisch, aber dringend nötig – eine Instanz mit Realitätssinn. Denn wer Kritik von Kinderärzten als persönlichen Anschlag auf die eigene Integrität wertet, hat im Maschinenraum der Macht längst die Orientierung verloren.

Draußen im Land brennt die Hütte. Die Praxen ächzen unter dem Notstand, die Wartelisten für die Jüngsten sprengen jede Skala, und die Eltern stehen kopfschüttelnd vor verschlossenen Türen. Doch drinnen in der Berliner Blase herrscht akute Ego-Verteidigung. Da wird nicht analysiert, ob das Budget reicht oder die Strukturen kollabieren; da wird gezählt, wer im TV-Duell schief geschaut hat. Wenn Mediziner Alarm schlagen, weil der Nachwuchs im System verheizt wird, hört der Regierungschef vor allem eines: Majestätsbeleidigung im Kittel.

Es ist die hohe Kunst der politischen Geisterfahrt: Die Probleme von heute werden mit den Empfindlichkeiten von gestern beantwortet. Wer keine Argumente mehr hat, greift zur dünnen Haut. Da wird aus dem sachlichen Hilferuf der Pädiatrie flugs ein Staatsakt gegen die Person des Kanzlers gemacht. Sachlichkeit? Fehlanzeige. Trennung von Amt und Person? Ein Fremdwort.

Der Herbst steht vor der Tür – und mit ihm die nächsten harten Brocken wie die Gesetzentwürfe für Angehörige, die uns direkt erreichen werden. Die Quittung für diese Politik der beleidigten Leberwurst folgt ohnehin, spätestens wenn den Leuten endgültig der Kragen platzt, weil sie das Schönreden satt haben.

Diese Flaschenpost geht an zwei Adressen:

Sie geht an die Menschen, die ihr Leben fernab jeder Realität verbringen.

Und sie geht an die Menschen, die diese Realität glasklar sehen – und die vor allem die dunkelste Zeit Deutschlands nie vergessen haben.

Genau deshalb lassen wir uns die Welt nicht verdrehen. Die Menschen in diesem Land sind klug genug, um im September ihren eigenen Weg zu finden, vernünftig ins Handeln zu kommen, ganz ohne dass wir in blinde Wut verfallen oder nach rechts abdriftet. Sollen sie da oben also über ihre eigenen Füße stolpern; wir behalten unseren klaren Blick, packen die Dinge an und tragen die Verantwortung von unten nach oben – wie wir es immer getan haben.