Flaschenpost vom 06.09.2026: Küchengeflüster – Direkt mit Vollgas durch den Kaninchenbau!
Zum Andenken an meine Omi aus Wust -
(Oh look, a shiny historical rabbit hole! Let's dive in headfirst at 300 miles per hour!)
Wenn man an einem solchen Sonntag wie vor ein paar Tagen im Fernsehen das alte RBB-Märchen Das blaue Licht über den Bildschirm flimmern sieht, fängt das Kopfkino sofort an zu laufen. Tja, im Märchen entscheidet der König, wer ausgedient hat. Im echten Leben ist es oft das Familiensystem, das feinsäuberlich verteilt, wer gerade nützlich zu sein hat. Früher habe ich als Mutter brav funktioniert, das Beste gegeben und mich komplett aufgerieben – nur um am Ende festzustellen, dass man plötzlich ganz allein dasteht. Aber wisst ihr was? Das war das beste Geschenk überhaupt! Wer allein ist, findet endlich seine eigene Freiheit. Niemand pustet dir mehr das Licht aus, wenn du dir deine Inseln einfach selbst erschaffst.
Genau an diesem Sonntagmorgen – während ich ohnehin gemütlich in der Bürgerlichen Küche von Mary Hahn blätterte – sprang mein Gehirn kurz nach dem Abspann mit 500 Stundenkilometern in ein völlig anderes, verlockend funkelndes Abenteuer. Plötzlich war sie wieder da: die Erinnerung an Omis Küche in Wust, wo ich als kleines Kind stundenlang zappellig auf dem Stuhl saß und staunte. Der Duft von Weihnachtsgänsebraten, oder diese legendäre braune süß-saure Soße, die sie mal eben so aus dem Handgelenk schüttelte – meilenweit entfernt von jeder tristen Senfsoße, dazu ein einfaches Spiegelei, das für mich wie ein Fünf-Sterne-Menü schmeckte.
Dass diese Zeilen heute am 6. September erscheinen, ist dabei kein Zufall: Es ist meine Omis Geburtstag. Und zu ihrem Andenken wird erst recht klar, warum Großmütter für das Leben so unersetzlich sind. Sie sind weit mehr als nur nette Stationen im Hintergrund; sie sind die lebendigen Wurzeln, die uns zeigen, woher wir kommen, und die uns bedingungslos einen sicheren Hafen schenken. Eine Oma füttert nicht nur den Magen mit Gänsebraten, sondern füttert vor allem die Seele mit Geschichten, Halt und dem unschätzbaren Gefühl, dass man geliebt wird, einfach weil man ist.
Der Grundstein für meine heutige Macke lag ohnehin in diesen Kindheitstagen. Meine Omi war nämlich schuld daran, dass ich heute jede Frakturschrift flüssig lese wie die Tageszeitung; sie hat es mir damals beigebracht, weil ich als Kind so unbändig neugierig war. Und diese unbändige Neugier, die ich damals hatte, die besitze ich im Grunde bis heute – sie ist der beste Anker, den man haben kann, um das Leben positiv, wach und mit offenen Augen zu beschreiten. Von Omi stammte damals übrigens auch jenes originale Mary-Hahn-Kochbuch, dessen erste Seiten schon leicht zertrennt waren und in dem natürlich ein paar Bilder fehlten, weil Kinderhände eben ihre eigene Kunstrichtung haben.
Mich beschäftigt dieses Thema ehrlich gesagt schon immer irgendwie. Schließlich steht ohnehin mein Geburtstag an – und wer sich selbst am besten kennt, weiß eben auch, womit man sich die schönste Freude macht! Schon vor ein paar Monaten durfte deshalb die prächtige Jubiläumsausgabe in komplette 6 Bände vom Grafen von Monte Christo bei mir einziehen, denn alte Bücher sind einfach etwas ganz Besonderes. Wenn man bedenkt, dass solche Schätze weit über 100 Jahre alt sind – genau wie diese historischen Kochbücher, von denen mein ältestes aus dem Jahr 1867 stammt und damit stramm auf die 160 zugeht! Diese Haptik, das schwere Papier, der Geruch nach gelebter Geschichte – dagegen kann kein Bildschirm der Welt anstinken.
Passend dazu habe ich mir für meinen Ehrentag kurzerhand noch ein paar hundert Euro auf den Kopf gehauen und mir die prachtvollen antiquarischen Wälzer von den unbestrittenen Königinnen der deutschen Haushaltsliteratur – Henriette Davidis, Hedwig Heyl und eben Mary Hahn – gesichert. Echte Zeitzeugen, die den Bücherstapel perfekt ergänzen!
Der eigentliche, monumentale Witz an der Geschichte ist ja: Je tiefer man in diese Materie eintaucht und die antiquarischen Rezepte plötzlich immer besser versteht, desto unbändiger wächst die Neugier. Ich kann mich zwar sehr wohl in der Küche ernähren – Rührei, Kartoffeln, Nudeln und Spaghetti laufen hier absolut problemlos. Nur alles, was dann über diese hochkomplizierte kulinarische Grundschule hinausgeht, überlasse ich doch lieber den alten Meisterinnen.
Wenn andere am Herd stehen, zaubern sie instinktiv feine Menüs, während bei mir im Alltag ganz pragmatisch der Airfryer glüht. Mal ganz ehrlich: Passt überhaupt ein kaiserlicher Braten für zwölfeinhalb Personen in so einen Airfryer rein? Eben nicht! Man versucht es trotzdem, bis der Qualm so dick aus den Fenstern quillt, dass die Nachbarn panisch die Feuerwehr informieren – nur damit die Jungs nachher mit echtem Blaulicht und lautem Tatütata in deiner Küche stehen und neugierig fragen, ob von dem kulinarischen Experiment eigentlich noch irgendetwas übrig ist außer einem kohlrabenschwarzen Häufchen Elend!
Aber als ich diese historischen Wälzer so vor mir sah, war es um jede Bodenständigkeit schlagartig vorbei. Die pure Neugier hat gesiegt: Wie haben die Menschen damals gelebt? Wie liest sich ein kaiserliches Rezept mit Pfund, Quintchen und Loth, während man im Geiste noch den schweren Kohleherd anheizt? Mein inneres Hyperfokus-Monster hat das Steuer komplett übernommen und weigert sich standhaft zu bremsen.
Der Herbst steht schließlich vor der Tür, und mit den kühlen Tagen wächst bekanntlich die Lust auf neue, verrückte Herausforderungen. Genau deshalb habe ich beschlossen: Hin und wieder werdet ihr mich in der einen oder anderen Flaschenpost auf einem streng ausgewählten, herrlich absurden Ausflug in die historische Küchenwelt begleiten! Ich werde als absolute Laiin das Unmögliche wagen: antike Rezepte entziffern, skurrile Zutaten recherchieren und das eine oder andere Experiment am eigenen Herd wagen. Wenn ich das mit null Vorerfahrung überlebe, schafft ihr das mit links.
Wer braucht schon einen geregelten Alltag, wenn man sich stattdessen mit Antiquitäten, gotischen Lettern und einer ordentlichen Portiönchen Selbstbestimmung sein eigenes privates Epochen-Theater bauen kann? Man schaut zurück, schüttelt den Staub alter Rollenmuster ab und grinst sich eins, weil das Leben endlich wieder nach dem eigenen Drehbuch läuft.
Schnappt euch die Lupe, vergesst die Vernunft – wir lesen uns tief unten im Kaninchenbau!